Inflation in Deutschland gestiegen, BIP überraschend gewachsenen

Vor allem der private Konsum stützte das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal.

Vor allem der private Konsum stützte das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal.

Michael Gustenbauer / Imago

Die Inflationsrate in Deutschland wird im Oktober 2022 voraussichtlich 10,4 % betragen. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag in einer vorläufigen Schätzung mit. Die Inflation, gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahresmonat, stieg im Vergleich zum September mit einem Sprung auf 10 % wieder leicht an. So hohe Werte wurden im vereinten Deutschland noch nie verzeichnet. Im Herbst 1951 wurden in der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland letztmals zweistellige Inflationsraten gemessen.

Der Hauptgrund ist der Energiepreis

Seit Kriegsbeginn in der Ukraine sind insbesondere die Energiepreise stark gestiegen, was auch den Gesamtindex erhöht. Im Oktober waren die Energiepreise um 43 % höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Aber auch die Lebensmittelpreise sind mit einer überdurchschnittlichen Rate von 20,3 % gestiegen.

Die Inflation ist immer noch zweistellig

Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent

Hinzu kommen laut Destatis Auswirkungen von Preiserhöhungen aus Lieferketten, die durch die Corona-Pandemie noch immer gestört sind. Statistiker schreiben dagegen weiter, die Senkung der Mehrwertsteuer auf die Lieferung von Erdgas und Stadtwärme von 19 % auf 7 % im Oktober soll preissenkend wirken.

Laut dem harmonisierten Verbraucherpreisindex der EU, der einen anderen Korb verwendet und den auch die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Analysen heranzieht, betrug der Preisanstieg in Deutschland im Oktober 11,6 Prozent.

Keine schnelle Linderung

Die meisten Ökonomen erwarten keine schnelle Entspannung. Laut Commerzbank „sollte die Inflationsrate in den kommenden Monaten vor der 10. Dezimalstelle liegen“. Der Autor Marco Wagner begründet dies damit, dass der massive Anstieg der Energiepreise die Privathaushalte noch nicht vollständig erreicht und viele Unternehmen ihre gestiegenen Energiekosten noch nicht vollständig an ihre Kunden weitergegeben haben. Er stellte klar: Erst im nächsten Jahr dürften – wegen der staatlichen Eingriffe in die Strom- und Erdgaspreise – die Beschleunigung der Energiepreise deutlich nachlassen und die Inflationsrate sinken.

Schon vor der Veröffentlichung der Statistik betonte Timo Vollmershauser, Leiter der Konjunkturabteilung des Ifo-Instituts: Die Inflationswelle sei noch nicht gebrochen. Anlass für seine Einschätzung war die Umfrage des Instituts, bei der Unternehmen nach ihren Preiserhöhungsplänen gefragt wurden.

Unterstützender Konsum

Trotz des rasanten Preisanstiegs blieb die Verbraucherstimmung zumindest zwischen Juli und September überraschend gut. Dies ist die erste Schätzung der Wirtschaftsleistung, die Destatis Stunden vor den Inflationsdaten veröffentlicht hat. Viele Ökonomen hatten erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ab dem dritten Quartal 2022 angesichts hoher Energiepreise, sinkender Kaufkraft der Verbraucher und Problemen in der Lieferkette weiter schrumpfen würde.

Doch jetzt ist es besser als gedacht: Das Bruttoinlandsprodukt stieg laut Destatis im dritten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal legte er um 0,1 Prozent zu.

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter

Entwicklung des BIP (Preis, Saison und Kalender, 2015 = 100)

Nach Angaben von Destatis war das Wachstum im Berichtsquartal vor allem auf die privaten Konsumausgaben zurückzuführen. Damit behauptet sich die deutsche Wirtschaft „trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit der anhaltenden Corona-Pandemie, Lieferkettenunterbrechungen, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine“ weiter. Das BIP wuchs real um 1,1 Prozent und real um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, preis- und arbeitstäglich bereinigt.

Zudem lag das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit Beginn der Coronakrise wieder über dem Vorkrisenniveau: Bereinigt um Preis-, Saison- und Kalendereffekte lag die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,2 Prozent über dem Schlussquartal von 2019. Dastatis stellte jedoch fest, dass diese Ergebnisse aufgrund der anhaltenden Corona-Krise und der Folgen des Krieges in der Ukraine mit mehr Unsicherheit als gewöhnlich behaftet sind.

Rezession kommt

In den Wintermonaten besteht nach Ansicht vieler Ökonomen weiterhin Rezessionsgefahr. Das gute Ergebnis im dritten Quartal ist auf temporäre Effekte wie die Notwendigkeit des Rückzugs nach der Aufhebung vieler Corona-Beschränkungen und die vorübergehende Reduzierung des Tankrabatts und des 9-Euro-Tickets zurückzuführen.

Carsten Brzeski, Chefökonom bei ING, betonte in einem Kommentar, dass das überraschende Wachstum im dritten Quartal nicht bedeutet, dass das Land eine Rezession vermeiden wird. Alle Frühindikatoren deuten auf eine weitere Abschwächung der Konjunktur hin. Obwohl der Regen die Flusspegel erhöht hat und das warme Oktoberwetter den Beginn der Heizperiode verzögert hat, setzt sich das allmähliche Abgleiten in die Stagnation fort. Das jüngste Hilfspaket der Regierung zur Vermeidung einer Winterrezession sei „zu spät, zu wenig“, wenn es nicht nachträglich umgesetzt werde. Es kann sie nur reduzieren.

Die Bundesregierung rechnet in ihrer Mitte Oktober veröffentlichten Herbstprognose mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent im nächsten Jahr. Die Inflation dürfte von durchschnittlich 8 Prozent im Jahresdurchschnitt in diesem Jahr auf 7 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen, auch dank geplanter Gas- und Strompreisbremsen.

Sie können sich an den Berliner Wirtschaftskorrespondenten Rene Heltsky wenden zwitschern verfolgen.



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