Warum Benzin und Diesel plötzlich wieder günstig sind

Frankfurt am Main. Für den Ölpreis gibt es derzeit nur eine Richtung: nach unten. Interessanterweise hat dies vor allem mit der vorgeschlagenen großzügigen Preisobergrenze für russisches Rohöl zu tun. Spekulationen über die weltweite Rezession und Daten zur Ausbreitung der Covid-Pandemie in China wirken stabilisierend.

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Diesel war am Mittwochnachmittag an vielen Tankstellen im Rhein-Main-Gebiet für unter 1,80 Euro pro Liter erhältlich. In vielen anderen Städten ist der Prozess ähnlich. Auch Öl ist deutlich billiger geworden und hat am Mittwoch vielfach die 1,70-Euro-Schwelle unterschritten. Das sind Preise wie vor Beginn des Ukraine-Krieges. Die Rabatte sind seit einigen Wochen aufgefallen und wurden zuletzt deutlich erhöht. Nach Angaben des Nutzerportals Clever Tanken lag am Mittwoch vergangener Woche der landesweite Durchschnittspreis für Selbstzünder bei 1,97 Euro und für E10 bei 1,86 Euro – so rasante Senkungen gab es zuletzt während der ersten Corona-Lockdowns.

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Die Preise fielen im Vergleich zu den internationalen Rohölmärkten

„Die fallenden Brent-Preise der vergangenen Tage sind sicherlich ein treibender Faktor für die aktuell niedrigen Ölpreise“, sagte Clever-Tanken-Chef Steffen Bock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Tatsächlich verläuft der aktuelle Abwärtstrend parallel, jedoch mit einer Verzögerung von zwei bis drei Tagen zu den Preisen an den internationalen Rohölmärkten. Am Donnerstag fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent erstmals seit Januar wieder unter die 85-Dollar-Marke.

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Händler und Analysten machten die Preisgrenze für russisches Rohöl verantwortlich, das per Schiff verschifft wird. Die EU will diese Importe in naher Zukunft stoppen. Gleichzeitig wollen die G7-Staaten und die EU ein Maximum festlegen. Experten meinen, dass diese Grenze zwischen 65 und 70 Dollar pro Barrel liegen sollte. Die Quote sei höher als erwartet, was das Risiko globaler Versorgungsengpässe verringern werde, schreibt Vivek Dhar von der Weltbank in einer Analyse. Er und seine Kollegen hatten zuvor geschätzt, dass der Durchschnittspreis für das laufende Quartal 95 US-Dollar pro Barrel betragen würde. Dafür sieht Dhar nun „Abwärtsrisiken“.

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Die Aussicht auf eine globale Rezession

Grund: Nach übereinstimmenden Schätzungen von Branchenexperten verkaufen russische Ölfirmen bereits für weniger als 65 Dollar pro Barrel an Raffinerien in China und Indien. Allerdings wird der sogenannte Cap dadurch erzwungen, dass die Pflichtversicherung für Öltanker durch westliche Versicherungsgesellschaften, die hauptsächlich in London ansässig sind, nur dann für die Ladung angeboten wird, wenn sie unter dem Höchstpreis verkauft wird.

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Allerdings sind 65 bis 70 Dollar pro Barrel alles andere als in Stein gemeißelt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Diplomaten sagten, die EU-Energieminister könnten bei ihrem Treffen am Donnerstag und Freitag eine Einigung erzielen. Gleichzeitig stellt sich aber heraus, dass 65 Dollar für Polen zu hoch sind, weil sie keine Wirkung haben. Griechenland hingegen will nicht unter 70 Dollar gehen: Griechische Reedereien spielen eine wichtige Rolle beim russischen Öltransport.

Für Hans van Cleef, Energieexperte bei der niederländischen Bank ABN Amro, ist jedoch klar, dass die Deckelung „keine wesentlichen Auswirkungen auf die Gesamtversorgung hat“. Was wiederum bedeutet, dass andere Faktoren beim Auf und Ab der Preise eine große Rolle spielen. Zum Beispiel die Aussicht auf eine globale Rezession, über die wir seit Wochen sprechen. Nun sollen die neuen Prognosen aus dem Bereich der US-Notenbank kommen, wonach die Wahrscheinlichkeit einer Konjunkturabschwächung bei 50 Prozent liegt. Daran dürfte auch die Notenbank selbst mit ihren kräftigen Leitzinserhöhungen teilhaben.

Für Autofahrer gibt es jedoch kein absolutes Nein

Und dann gibt es Berichte, dass es in China einen neuen Höchststand bei der Zahl der Covid-Infektionen gibt. Darauf reagierte die Regierung mit sehr strengen Beschränkungen für die Bevölkerung. Während der nun seit drei Jahren andauernden Pandemie hat sich immer wieder gezeigt, dass die Lockdowns die Nachfrage nach Öl stark reduziert haben und China der größte Ölimporteur der Welt ist. Zudem können Zweirundeneffekte wirken: Die Shutdowns können zu Engpässen in den Lieferketten führen, was auch die Produktion in der europäischen und nordamerikanischen Industrie reduzieren wird.

Diese gemischte Situation hat auf den Ölmärkten zu einer Situation namens Contango geführt. Die Preise für Lieferungen im neuen Jahr sind höher als für Dezember. Das bedeutet, dass Händler derzeit von einem sehr großen Angebot ausgehen, was sich aber bald wieder ändern könnte. Auch Bock betonte: „Wir erleben gerade eine Erholungsphase. Aber man kann den Fahrern keine Entwarnung geben.” Denn am 5. Dezember tritt das Ölembargo gegen Russland in Kraft. „Von da an erwarte ich wieder steigende Preise. Darüber hinaus wird die Weihnachtsfahrsaison die Kraftstoffpreise erhöhen. “

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